Am 13. Februar fand in der Kiezoase ein besonderes Künstlerinnengespräch statt: Im Mittelpunkt stand die Malerin Silja Korn, begleitet von Musikerin Niloufar Davoudi.

Die Veranstaltung bot Einblicke in die künstlerische Arbeit der beiden blinden Frauen sowie inspirierende Gespräche über gelebte Inklusion in Kunst und Pädagogik. 

Gefühlsbilder - Die Einzigartige Bildsprache von Silja Korn 

Silja Korn, 1966 in Berlin geboren, verlor im Alter von zwölf Jahren durch einen Verkehrsunfall ihr Augenlicht. 2016 entdeckte sie das Light Painting für sich. Bei dieser Form der fotografischen Lichtmalerei entstehen durch Bewegungen und lange Belichtungszeiten in einem dunklen Raum Bilder von Lichtspuren. Eine sehende Person unterstützt sie bei der technischen Umsetzung des Prozesses, die künstlerischen Entscheidungen liegen jedoch allein bei Silja Korn. Auf diese Weise entwickelte sie ihre eigene Bildsprache, mit der sie ihre „inneren Bilder“ nach außen trägt. 

Inklusive Ausstellung in der Kiezoase

Bis April sind diese Arbeiten von Silja Korn unter dem Titel „Gefühlsbilder – meine Welt ist nicht dunkel.“ nun im Nachbarschafts-und Familienzentrum Kiezoase in Berlin Schöneberg ausgestellt. Sie lädt Besucher*innen dazu ein, zu reflektieren: Wie fühlt sich Licht an? Wie klingt Farbe? Was sehen wir – wenn wir nicht nur mit den Augen schauen?

 „Wir Sehenden sind oft abgelenkt und von Bilderfluten betäubt. Dann sehen wir oberflächlich. Silja zeigte im Gespräch auf, dass sie uns da voraus ist. Sie hat einen starken Zugang zu ihrer inneren Welt und ihren Gefühlen. Klänge, Gefühle und Wahrnehmung haben für sie Farben. Diese setzt sie in beeindruckenden Werken künstlerisch um.“ – Gertraude, Freiwilligenkoordinatorin 

Durch über einen QR-Code abrufbare Bildbeschreibungen sind die Werke auch für blinde Menschen erlebbar. 

Zwischen Kunst, Pädagogik und Inklusion

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist Silja Korn die erste blinde, staatlich geprüfte Erzieherin Deutschlands. Sie arbeitet in einer Kindertagesstätte in Berlin und engagiert sich seit Jahren für mehr Inklusion im Bildungsbereich. Ein Highlight des Künstlerinnengesprächs war in diesem Zusammenhang ihre Vorstellung des Kinderbuchs „Wie Mama mit der Nase sieht“. Das Buch erzählt aus der Perspektive eines Kindes vom Alltag mit einer blinden Mutter. Inspiriert sei die Geschichte von den Erfahrungen ihres eigenen Sohnes, so Silja Korn. 

Eine Besucherin der Veranstaltung, die sich ehrenamtlich als „Lesepatin“ engagiert, war von der Vorstellung so begeistert, dass sie spontan den Wunsch äußerte, das Buch in der Kita und im Ganzstagsbereich gemeinsam mit Kindern lesen zu wollen. Silja möchte sie dabei unterstützen und sich ebenfalls am Vorlesen beteiligen. 

Musik als verbindende Sprache

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der blinden iranischen Sängerin Niloufar Davoudi, die mirt ihrer Stimme und Liedern in mehreren Sprachen das Publikum berührte. Dabei verband sie klassisches Liedgut mit traditioneller Musik aus ihrer Heimat. Besonders beeindruckt hat sie das Publikum allerdingst mit einem selbst geschriebenen Text sowie einem iranischen Lied, dass sie mit Bezug zu den aktuellen Konflikten im Iran eingeführt hatte. 

Inklusion als Prozess - Barrierefreiheit in der Kiezoase

Auch in Zukunft setzt die Kiezoase einen Schwerpunkt auf inklusive Öffnungsprozesse. Ziel ist es, Barrieren zu erkennen, abzubauen und Angebote so zu gestalten, dass möglichst alle Nachbar*innen teilhaben können. Einige bauliche Barrieren wurden dazu bereits umgesetzt: Es gibt in der Kiezoase nun ein barrierefreies WC, einen Zugang zum Erdgeschoss über eine feste Rampe und ein weiterer barrierefreier Raum ist auch in Planung. 

Darüber hinaus ist geplant, Kurs- und Gruppenleitungen der Kiezoase die Teilnahme an passenden Weiterbildungen und Workshops anzubieten. So können sie lernen, individuelle Bedarfe besser zu erkennen und ihre Angebote methodisch anzupassen, um inklusive Gruppensettings zu gestalten und Teilnehmende kompetent zu begleiten. Inklusive Öffnung ist in der Kiezoase also ein Prozess hin zu echter Teilhabe.