Zwischen Februar und Juli 2026 verband das kulturelle Bildungsprojekt Museumsbesuche im Bröhan Museum mit kreativem und handwerklichem Arbeiten in zwei unserer Ganztagsbetreuungen. Ausgangspunkt des Projekts war die Sammlung des Bröhan Museum, dem Berliner Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus. Bei interaktiven Führungen entdeckten die Kinder Möbel, Kunstwerke und Designobjekte und setzten sich mit Formen, Farben und Funktionen auseinander.
Dabei ging es nicht nur um Kunstgeschichte. Die Kinder hinterfragten auch gesellschaftliche Zuschreibungen: Warum wird ein bestimmtes Möbelstück als „für Frauen“ oder „für Männer“ wahrgenommen? Welche Vorstellungen verbinden wir mit Farben, Formen oder Gegenständen? Und müssen diese Vorstellungen eigentlich für alle gelten?
Die Begegnung mit den Museumsobjekten wurde so zum Ausgangspunkt, um über Individualität, Rollenbilder und eigene Interessen nachzudenken.
Nach den Museumsbesuchen ging es in den Werkstätten der Ganztagsbetreuungen praktisch weiter. Schritt für Schritt lernten die Kinder verschiedene Techniken der Holzbearbeitung kennen. Sie sägten, bohrten, schraubten, raspelten, schliffen und leimten. Aus einfachen Holzstücken entstanden zunächst kleine Tiere, Fahrzeuge und andere eigene Konstruktionen. Dabei sammelten die Kinder erste Erfahrungen mit Werkzeugen und lernten, wie sich das Material Holz bearbeiten und verändern lässt.
Die handwerkliche Arbeit verlangte Geduld, Genauigkeit und manchmal auch mehrere Versuche. Gleichzeitig bot sie viel Raum für eigene Ideen. Die Kinder erlebten unmittelbar, dass sie selbst etwas herstellen und verändern können – und dass aus einem Stück Holz durch ihre eigenen Entscheidungen ein persönliches Werk entstehen
Im Mittelpunkt des Projekts stand schließlich der „Berliner Hocker“. Das schlichte Möbelstück kann auf unterschiedliche Weise genutzt werden und lässt viel Raum für eigene Vorstellungen. Jedes Kind baute einen eigenen Hocker und erfuhren dabei, dass Gestaltung keine Geschlechtergrenzen kennt. Kinder konnten unabhängig von stereotypen Vorstellungen ausprobieren, was sie interessiert und welche Ausdrucksform zu ihnen passt.
Mein Platz kann überall sein
Das Projekt ging noch einen Schritt weiter. Beim Fotoshooting wurden die Hocker in unterschiedlichen Situationen und an verschiedenen Orten inszeniert. Aus einem Hocker konnte ein Tisch, ein Regal, ein Kiosk, ein Auto oder etwas ganz anderes werden.
So wurde der „eigene Platz“ zu einem offenen Begriff. Er kann ein konkreter Ort sein, aber auch ein Gefühl, eine Idee oder die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wo und wie man seinen Platz einnimmt.
Gemeinsam gestalten und voneinander lernen
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war die gemeinsame Arbeit. Beim Sägen, Bohren und Bauen unterstützten sich die Kinder gegenseitig. Sie lernten unterschiedliche Fähigkeiten und Perspektiven kennen und erlebten, dass jedes Werk anders sein darf.
Das Projekt setzte bewusst auf einen interkulturellen und inklusiven Ansatz. Die Kinder konnten ihre eigenen Erfahrungen, Interessen und kulturellen Hintergründe in die Gestaltung einbringen. Entscheidend war nicht, woher ein Kind kommt, welche Sprache es spricht oder welche Vorerfahrungen es mitbringt, sondern welche Ideen es selbst entwickeln und umsetzen möchte.
Zum Abschluss wurden die entstandenen Werke im Bröhan Museum präsentiert. Bei der Ausstellung am 2. Juli 2026 konnten sie ihre Arbeiten Familien, Freund*innen und Besucher*innen vorstellen und von ihren Erfahrungen im Projekt erzählen. Auch die während des Projekts entstandenen Fotografien machten den gemeinsamen kreativen Prozess sichtbar.
Die Kinder erlebten, dass ihre Ideen und ihre Arbeiten gesehen und wertgeschätzt werden. Vor allem aber erfuhren sie: Ich kann etwas gestalten. Ich kann Entscheidungen treffen. Ich kann meine Ideen sichtbar machen.
Damit schafft das Projekt Räume für Selbstwirksamkeit, Kreativität und Gemeinschaft und ermutigt Kinder, ihren eigenen Platz zu finden und selbst mitzugestalten.
Ein Projekt vom Pestalozzi-Fröbel-Haus in Kooperation mit dem Bröhan-Museum und Jugend im Museum e.V. /
Künstlerische Begleitung Maja Burggaller
Pädagogische Begleitung Ann-Katrin Hartmann, Bia Brandt, Marcus Maybauer und Tatia Okruashvili
Gefördert von „Ich bin HIER! - Herkunft - Identität - Entwicklung - Respekt“, ein Projekt des Paritätischen Gesamtverbandes (dbv) im Rahmen von „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.