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Tag der offenen Tür

Erzieher werden? Oder erst einmal das Fachabitur ablegen? Kommen Sie zu unserem Tag der offenen Tür! Am Samstag, den 1. April 2017 von 11:00-16:00 Uhr.
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Geschichte und Archiv des Pestalozzi-Fröbel-Hauses

Man muss mehr als 140 Jahre zurückgehen, um die Gründung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses und das Konzept der "geistigen Mütterlichkeit" seiner Gründerin Henriette Schrader-Breymann als das einzuordnen, was es damals war: ein großer Einbruch in eine männlich dominierte Gesellschaft, die eine professionelle Beschäftigung mit Kindern noch nicht als eine öffentliche Aufgabe sah und einer eigenständigen sozialen und pädagogischen Berufsarbeit von Frauen kaum Verständnis entgegenbrachte. Denn Kindheit - ein Begriff, der noch nicht in das Bewusstsein des "normalen" Bürgers eingesickert war - wurde ausschließlich als Zwischenstufe zum Erwachsenwerden begriffen. Eine besondere Beschäftigung mit Kindern wurde als nicht notwendig erachtet.

Die Erfindung des Kindergartens

Gemessen an dieser Auffassung muten bereits die pädagogischen Ansichten von Friedrich Fröbel und Johann Heinrich Pestalozzi nahezu revolutionär an: Wenn sie auch von unterschiedlichen Menschenbildern ausgingen, so sahen doch beide das Kind als ein "wesentliches Glied der Menschheit" an (Pestalozzi), das sie durch Erziehung und Bildung zu verbessern hofften. Den Grundstein für die spätere Entwicklung orteten sie in den Erfahrungen und Erlebnissen der ersten Lebensjahre. Deshalb, so die Schlussfolgerung der beiden Pädagogen im 19. Jahrhundert, komme dem Schutz des Kindes, seiner Pflege, der Förderung frühkindlicher Entwicklung und vor allem der Erziehung zu Selbstbildung und Selbsttätigkeit große Bedeutung zu. Betreuung, Bildung und Erziehung sollten nicht länger reine Privatsache bleiben, war Fröbels Überzeugung, sondern - und hier wurde die Idee des Kindergartens geboren - auch eine gesellschaftliche Aufgabe werden. Kindergarten und Familie sollten sich gegenseitig ergänzen und stärken. Dies war nicht eine allgemeine pädagogische Forderung, sondern begründete auch die soziale und erzieherische Arbeit als gesellschaftliche Reaktion auf die industrielle Revolution.

Das PFH im Zentrum revolutionärer Ideen

1874 spann Henriette Schrader-Breymann, eine Großnichte Fröbels, die Fäden weiter. Sie entwickelte Pestalozzis und Fröbels Lehren für die Praxis fort und gründete nicht nur Kindergärten in Berlin, sondern auch eine Ausbildungsstätte für den späteren Frauenberuf der Erzieherin. Ihr Ziel war es, die Ausbildung mit der praktischen pädagogischen Arbeit zu verknüpfen. Die Verwirklichung dieser Idee war die Geburtsstunde des Pestalozzi-Fröbel-Hauses mit seinem noch heute lebendigen Ausbildungs- und Praxis-Verbund. Mit diesem Konzept gelangen Schrader-Breymann zwei Errungenschaften: Zum einen erhielten Frauen die Chance, erstmals einen bürgerlichen Beruf mit allen daraus folgenden Unabhängigkeiten zu erlernen. Des Weiteren trug Henriette Schrader-Breymann maßgeblich zu der Einstellung bei, dass jedes Kind in seiner Entwicklung gefördert werden und dass es durch ausgebildete Fachkräfte zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit erzogen werden muss. Die "Entdeckung" des Kindes als einer interessanten, wichtigen und beachtenswerten Spezies Mensch und das Entstehen sozialer Frauenberufe vollzog sich zwar nicht ohne Widerspruch, aber in enger Wechselwirkung. Dadurch wurde es möglich, Kinder nicht mehr lediglich als Objekte bewahrender Fürsorge zu sehen und Frauen auf sozialen und pädagogischen Arbeitsgebieten aus einer vorwiegend karitativen Tätigkeit herauszuführen.

Familiäre Atmosphäre und Inidividualität

Ausgehend von einem Bild vom Kind, das neben dem „Bedürfnis, sich frei und ungestört im Spiel zu entwickeln“ auch „den Trieb hat, sich hülfreich zu erweisen und kleine, seinen Kräften angemessene Arbeiten zu verrichten“, stellte Henriette Schrader-Breymann Selbsttägigkeit und das Lernen von Verantwortung als „Lebensschule“ in den Mittelpunkt ihrer Pädagogik. Um auch bei einer größeren Kinderzahl eine familiäre Atmosphäre zu schaffen und die Individualität der Kinder zu berücksichtigen, löste Schrader-Breymann im „Volkskindergarten“ die Großgruppen von 50-60 Kindern in Kleingruppen mit etwa zwölf Kindern auf. Die betreuenden Schülerinnen aus der angeschlossenen Fachschule sollten sich speziell um „ihre“ Kinder kümmern und sich auch über deren Familienverhältnisse und Lebensumstände informieren. Es ging darum, die Persönlichkeit und den Entwicklungsstand des einzelnen Kindes genauer zu beobachten und kennen zu lernen. Dieses Erziehungskonzept ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung am Pestalozzi-Fröbel-Haus. Eingang gefunden hat diese Tradition auch in das heutige pädagogische Konzept des PFH, in den Early Excellence-Ansatz.

Einen Eindruck über die Anfangszeit des Pestalozzi-Fröbel-Hauses erhalten Sie über unsere Bilder-Galerie.

2014 feierte das Pestalozzi-Fröbel-Haus (PFH) seinen 140. Geburtstag. Dies nahm das Haus zum Anlass, zwei über hundertjährige Zeitzeuginnen zu porträtieren, die ihre Ausbildung Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts an der traditionsreichen Bildungsstätte absolviert haben. In diesem Zusammenhang entstanden sowohl ein Dokumentarfilm als auch eine Broschüre, die die Aufbruchstimmung und pädagogische Neuorientierung im PFH unmittelbar und anschaulich erfahrbar machen: Hundertjährige Zeitzeuginnen erzählen, ein Zeitdokument, zu bestellen über info@pfh-berlin.de

Gemeinsam mit dem Alice-Salomon-Archiv bildet das Archiv des PFH das „Archiv und Dokumentationszentrum für Soziale und Pädagogische Frauenarbeit“, das sich auf dem historischen Campus gleich gegenüber der Fachschule für Sozialpädagogik im Haus III befindet.