Das Pestalozzi-Fröbel-Haus besteht seit 1873/74. Träger war bis 1944 der Berliner Verein für Volkserziehung. Ein ursprünglich einzelner Volkskindergarten wurde nach und nach zu einer sozialpädagogischen Modelleinrichtung mit einem umfassenden Bildungs- und Betreuungs-Angebot für Kinder und Jugendliche aller Alterstufen ausgebaut. Hier entwickelte die Gründerin Henriette Schrader-Breymann - beeinflusst durch den Kindergarten-Pädagogen Friedrich Fröbel (ihrem Groß-Onkel) und den Schweizer Pädagogen Johann Pestalozzi - eine eigene Kindergarten-Konzeption und setzte sie auch praktisch um. Ihre innovativen pädagogischen Ansätze und Konzepte prägten um die Jahrhundertwende die deutsche Kindergartenbewegung und begründeten den internationalen Ruf des PFH. Das Pestalozzi-Fröbel-Haus war aber auch gleichzeitig eine Ausbildungsstätte für junge Mädchen und Frauen. Theorie und Praxis waren auf diese Weise eng verknüpft und beeinflussten sich gegenseitig. Dieser Verbund wurde zu einem bestimmenden Merkmal des PFH. Dem 1878 von Henriette Schrader-Breymann gegründeten Kindergärtnerinnen-Seminar ("Haus I") wurde 1885 die Koch- und Hauswirtschaftsschule ("Haus II") von Hedwig Heyl angeschlossen. 1925 wurde die Soziale Frauenschule von Alice Salomon in das PFH eingegliedert ("Haus III").
Alle drei Gründerinnen waren bekannte und bedeutende Vertreterinnen der alten bürgerlichen Frauenbewegung. Ihre Arbeit dokumentiert deren Kampf um das Recht auf Bildung für Mädchen und Frauen. Mit den von ihnen geschaffenen Berufsausbildungsgängen trugen diese Frauen zur Professionalisierung von sozialer, sozialpädagogischer und hauswirtschaftlicher Arbeit bei.

Seit 1898 befinden sich die Hauptgebäude des Pestalozzi-Fröbel-Hauses auf dem heutigen Gelände. Ende der 20ger Jahre hatte das PFH sowohl in Hinblick auf die Vielzahl von Ausbildungsmöglichkeiten als auch auf die Anzahl und Vielfältigkeit der Einrichtungen für Kinder und Jugendliche seinen größten Umfang erreicht. Heute ist das Pestalozzi-Fröbel-Haus, nach der Ausgliederung der Sozialen Frauenschule 1971 (heute Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin / ASFH) und der Schließung der Hauswirtschaftsschule 1972, eine Ausbildungsstätte für Erzieherinnen und Erzieher und Träger von Kindertagesstätten und anderen sozialpädagogischen Einrichtungen.

Bestand

Soweit aus den Quellen bekannt ist, hat es im historischen PFH kein Archiv gegeben. Aufgrund von Schäden durch den 2. Weltkrieg sind viele wichtige Dokumente verloren gegangen. 1985 wurde auf Initiative einer Gruppe von an der Geschichte des PFH interessierten Dozentinnen das heutige Archiv aufgebaut. Die noch im Haus vorhandenen Materialien konnten durch Schenkungen und Nachlässe von ehemaligen Schülerinnen und Mitarbeiterinnen ergänzt werden, so dass die Geschichte des PFH recht gut dokumentiert ist. Das Archiv wird durch aktuelle Abgaben ständig erweitert, bildet also keinen abgeschlossenen Bestand.

Art der Bestände:

Das Archiv ist kein klassisches Verwaltungsarchiv, die Materialien entstammen den unterschiedlichsten Bereichen. Schwerpunkt des Bestandes sind Materialien zur Geschichte des Hauses wie

  • Vereinsunterlagen und -zeitungen
  • Festschriften
  • Schul- und Verwaltungsakten
  • SchülerInnenunterlagen und -arbeiten
  • Schriften der Gründerinnen und weiterer Mitarbeiterinnen des Hauses
  • Darstellungen aus den Wohlfahrtseinrichtungen
  • ein Fotoarchiv mit ca. 700 Fotografien, Fotoalben u.ä.

In Kooperation mit der Alice-Salomon-Fachhochschule bildet das Archiv des PFH gemeinsam mit dem Alice-Salomon-Archiv das "Archiv und Dokumentationszentrum für soziale und pädagogische Frauenarbeit". Die Ziele sind: Sammlung und Erhalt der historischen Quellen; Förderung des Austauschs zwischen Fachhochschulen, Universitäten und Fachschulen; Anregung und Unterstützung von Forschungen.